Vergleich · Stand Juni 2026

ZEROvia vs Synesgy: Alternative zur CRIF-ESG-Plattform für Schweizer KMU

Synesgy ist die Fragebogen-Plattform, die Schweizer Kantonalbanken ihren Firmenkunden für die ESG-Selbstevaluierung anbieten. ZEROvia ist eine VSME- und VS-Standard-native ESG-Infrastruktur mit Schweizer Datenhaltung. Dieser Vergleich zeigt, wann Synesgy genügt und wann ein KMU eine eigene Datenplattform braucht.

blank

Auf einen Blick

  • Synesgy ist ein Fragebogen-Tool mit Zertifikat — von der italienischen CRIF-Gruppe, kostenlos angeboten über die Bank
  • ZEROvia ist eine VSME-/VS-Standard-native Datenplattform mit kontrollierter Datenhoheit und Schweizer Hosting
  • Beide adressieren Banken — aber mit gegensätzlicher Datenarchitektur: Synesgy zentral bei CRIF in Italien, ZEROvia föderiert beim KMU in der Schweiz
  • Ab voraussichtlich Juli 2026 setzt die EU den VS-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for Voluntary Use) als Lieferketten-Referenz — ZEROvia ist nativ konform, Synesgy nicht
  • Viele KMU nutzen beides parallel: Synesgy für die einzelne Bankanfrage, ZEROvia als unterliegende Datenplattform

Inhalt

Warum Schweizer KMU mit Synesgy konfrontiert sind

Schweizer Banken haben in den letzten 24 Monaten begonnen, im Firmenkundengeschäft systematische ESG-Selbstevaluierungen einzufordern — typischerweise vor Kreditgesprächen, Kreditverlängerungen und bei grösseren Engagements. Mehrere Schweizer Kantonalbanken setzen dafür auf Synesgy, eine ESG-Plattform der italienischen CRIF-Gruppe. Die Graubündner Kantonalbank verweist im Firmenkunden-Kontext explizit auf das Tool, ebenso eine zunehmende Zahl regionaler Banken in der Deutschschweiz.

Für ein KMU stellt sich damit eine konkrete Frage: Den Synesgy-Fragebogen ausfüllen und damit den Vorgang abschliessen? Oder eine eigene ESG-Infrastruktur aufbauen, die nicht nur die Bank, sondern auch Versicherungen, Grosskunden und Lieferanten konsistent bedient?

Dieser Vergleich beantwortet die Frage präzise — anhand von sieben Kriterien, die für ein Schweizer KMU mit 10 bis 1000 Mitarbeitenden 2026 entscheiden, ob eine Lösung genügt oder nicht.

Was Synesgy ist — und was nicht

Synesgy ist eine 2021 in Italien lancierte ESG-Assessment-Plattform der CRIF-Gruppe, einem internationalen Wirtschaftsauskunftei- und Daten-Konzern mit Sitz in Bologna und rund 1.000 Mitarbeitenden weltweit (davon etwa 90 in der Schweiz). Die Plattform wird Unternehmen typischerweise kostenlos über die Bank angeboten — das Geschäftsmodell von Synesgy basiert auf der Daten-Wertschöpfung gegenüber den Banken und auf Premium-Services.

So funktioniert Synesgy

  1. Das Unternehmen erhält von der Bank einen Zugang zu Synesgy.
  2. Es füllt einen standardisierten ESG-Fragebogen aus — die Länge wird automatisch an die Unternehmensgrösse angepasst (kürzere Variante für unter 50 Mitarbeitende).
  3. Die Plattform berechnet einen Score ESG entlang der Themen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Governance, basierend auf UNGC, GRI, UN SDGs, EBA LOM und EU-Taxonomie.
  4. Das Unternehmen erhält ein Certificat sowie Handlungsempfehlungen.
  5. Bank und gegebenenfalls andere autorisierte Geschäftspartner erhalten Zugriff auf das Ergebnis.

Was Synesgy gut macht

  • Bank-Akzeptanz: In Italien, Tschechien, Zypern und zunehmend in der Schweiz gut etabliert — viele Banken kennen das Format.
  • Niedrige Einstiegshürde: Für das KMU kostenlos, sofern die Bank das Tool zur Verfügung stellt.
  • Standardisierung: Branchenspezifische Fragebögen mit Benchmarks gegen andere Synesgy-Teilnehmer derselben Branche.

Was Synesgy strukturell nicht ist

  • Kein VSME-natives Reporting: Der Fragebogen orientiert sich an älteren ESG-Referenzen (UNGC, GRI, EU-Taxonomie), nicht an VSME oder dem ab voraussichtlich Juli 2026 geltenden VS-Standard.
  • Keine offene Datenplattform: Die Antworten leben in der CRIF-Infrastruktur; Export in andere Anfragekontexte (zweite Bank, Versicherung, Grosskunde) ist nicht das Designziel.
  • Keine Evidence-Verknüpfung: Synesgy ist ein Selbsterklärungs-Fragebogen — die Antworten werden nicht systematisch mit Belegen aus dem Unternehmen (Strom-, Personal-, Lieferantendaten) verknüpft.
  • Keine Datenhoheit: Die Geschäftsbedingungen erlauben CRIF, Daten — sofern das Unternehmen zustimmt — mit den teilnehmenden Banken und ausgewählten Partnern zu teilen.
  • Keine Lieferanten-Sicht: Synesgy wurde von Banken gedacht, nicht vom KMU her. Wer Lieferanten screenen will, braucht eine eigene Architektur.

Kurzfassung: Synesgy ist ein Bank-Self-Assessment-Tool — kein ESG-Reporting-Tool im VSME-/VS-Sinn. Diese Unterscheidung ist im VSME-/VS-Kontext zentral.

ZEROvia vs Synesgy — Direktvergleich nach 7 Kriterien

Die folgende Tabelle vergleicht beide Lösungen entlang der Kriterien, die für ein Schweizer KMU 2026 entscheidend sind.

Kriterium ZEROvia Synesgy (CRIF)
Standard-Basis VSME (EFRAG) und VS-Standard (EU-Kommission, ab voraussichtlich Juli 2026) — nativ UNGC, GRI, UN SDGs, EBA LOM, EU-Taxonomie (Fragebogen-Logik)
Output-Form Strukturierter VSME-/VS-Bericht, ESG-Profil, Data Packs für Banken/Kunden ESG-Score und Zertifikat
Conservation des données Infomaniak (Genf, Schweiz) — revDSG/FADP, kein US-CLOUD-Act-Zugriff CRIF-Plattform (Italien-zentriert, EU)
Datenhoheit Pro Datenpunkt steuerbar: öffentlich / kontrolliert / intern Daten werden auf Zustimmung mit Banken und Geschäftspartnern geteilt
Evidence / Belegkette KI-extrahierte Belege je Datenpunkt, mit Konfidenz-Angabe Selbsterklärung im Fragebogen
Lieferanten-Screening Ja Eigenes Modul für CSDDD- und Lieferketten-Anfragen Nein Nicht im Standard-Umfang
Preis für KMU ESG Quick Check kostenlos; modulare SaaS-Preise — siehe zerovia.ch/preise Über die Bank typischerweise kostenlos; Premium-Optionen kostenpflichtig
Adressierte Anfrage-Kontexte Banken, Versicherungen, Grosskunden, Lieferanten, öffentliches Profil Primär eine Bank
Herkunft Schweiz (Graubünden) Italien (CRIF)

Die Lösungen sind in Architektur und Zielsetzung verschieden — nicht in der Marketing-Sprache. Synesgy beantwortet eine Bankanfrage; ZEROvia baut die Datenbasis, aus der jede ESG-Anfrage konsistent beantwortet werden kann.

Datenhoheit: Italien zentral vs Schweiz föderiert

Dieser Punkt ist für viele Schweizer KMU der harte Auswahlfilter — und wird in der Marketingkommunikation der Banken regelmässig übergangen.

Synesgy: zentrale CRIF-Plattform

Synesgy-Antworten werden zentral auf den Plattformen der CRIF-Gruppe gespeichert. CRIF ist ein internationaler Daten-Konzern, dessen Kerngeschäft die Aggregation und Vermarktung von Wirtschaftsdaten gegenüber Banken, Versicherungen und Behörden ist. Die Synesgy-Datenschutzbedingungen erlauben CRIF, die Daten — sofern das Unternehmen zustimmt — mit den teilnehmenden Banken und ausgewählten Geschäftspartnern zu teilen. Ein KMU, das den Fragebogen ausfüllt, gibt damit die operative Datenhoheit an eine italienische Konzerngruppe ab.

ZEROvia: föderiertes Modell mit Schweizer Hosting

ZEROvia hält die Daten in der Schweiz bei Infomaniak (Genf), unter Schweizer Datenschutzrecht (revDSG/FADP) und ohne US-CLOUD-Act-Zugriff. Für jeden Datenpunkt legt das KMU separat fest, ob er öffentlich (im ESG-Profil sichtbar), kontrolliert teilbar (per signierter URL an eine konkrete Bank oder einen konkreten Kunden) oder rein intern ist. Geteilte Daten haben einen Audit-Trail: Wer hat wann was gesehen.

Praktische Konsequenz: Bei Synesgy gehört die ESG-Geschichte des KMU der CRIF-Plattform. Bei ZEROvia gehört sie dem KMU — und kann jederzeit exportiert, gelöscht oder neu strukturiert werden.

VSME und VS-Standard: warum die Architektur zählt

Der EU-Kommission hat im Mai 2026 den Entwurf der Sustainability Reporting Standards for Voluntary Use (VS-Standard) vorgelegt. Der VS-Standard baut auf dem von EFRAG entwickelten VSME-Standard auf und positioniert sich als gemeinsamer Referenzrahmen für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung ausserhalb des CSRD-Anwendungsbereichs. Nach Abschluss der vierwöchigen Konsultation soll der VS-Standard voraussichtlich ab Juli 2026 als delegierter Rechtsakt gelten.

Im Kontext der Value Chain Cap der überarbeiteten CSRD erhält das praktische Bedeutung: Berichtspflichtige Grossunternehmen dürfen von kleineren Lieferanten und Kreditnehmern nur noch die als „necessary" klassifizierten VS-Datenpunkte verbindlich anfordern. Wer auf VSME und VS aufbaut, fällt automatisch unter diesen Schutzrahmen. Wer mit alternativen Fragebogen-Logiken arbeitet, bleibt verhandlungsabhängig.

Was das für Synesgy bedeutet

Der Synesgy-Fragebogen ist nicht VSME-/VS-konform aufgebaut. Eine Synesgy-Antwort lässt sich nicht direkt in einen VSME-Bericht oder einen VS-konformen Lieferketten-Auszug überführen — das Datenmodell ist anders strukturiert. KMU, die heute nur Synesgy ausgefüllt haben, müssen für VSME-/VS-Anfragen 2026 die gesamte Datenerhebung neu aufsetzen.

Was das für ZEROvia bedeutet

ZEROvia ist von Beginn an VSME-nativ gebaut. Beim Inkrafttreten des VS-Standards migrieren die Daten automatisch in die VS-Kategorisierung (necessary / if applicable / voluntary). Ein einmal aufgebautes ZEROvia-Datenmodell antwortet auf:

  • Bankanfragen mit VSME-Basic-konformem Bericht oder bankenfähigem Data Pack
  • Lieferanten-Anfragen aus Grosskunden mit VS-konformem Datenauszug
  • Versicherungs-Anfragen mit themenspezifischen Data Packs
  • Synesgy-Fragebögen, sofern die Bank das Format weiter verlangt — durch gezieltes Befüllen aus dem ZEROvia-Datenmodell

6. Wann Synesgy genügt, wann ZEROvia nötig ist

Situation Empfehlung
Einmalige Bankanfrage, kein weiterer ESG-Druck, kein VSME-Ziel Synesgy reicht — Fragebogen ausfüllen, Zertifikat hinterlegen
Mehrere Banken oder Versicherungen anfragen unterschiedliche Datenformate ZEROvia — eine Datenbasis, die alle Anfragekanäle bedient
Grosskunden verlangen VSME- oder VS-Daten (Trickle-Down aus CSRD) ZEROvia — Synesgy liefert die geforderten Datenpunkte nicht in der nötigen Struktur
Eigene Lieferanten müssen ESG-Daten liefern (CSDDD-Vorbereitung) ZEROvia — Synesgy ist Buyer-orientiert ohne Supplier-Modul
Datenhoheit, Schweizer Hosting, FADP-Konformität sind harte Anforderungen ZEROvia — Synesgy-Daten liegen bei CRIF in Italien
Bankspezifisches Synesgy-Zertifikat wird explizit verlangt Synesgy-Fragebogen separat ausfüllen — ZEROvia parallel als geprüftes Datenmodell für alle anderen Anfragen
Mittelfristige ESG-Strategie mit jährlich nachzuweisender Verbesserung ZEROvia — strukturierte Historie pro Datenpunkt, mit Belegen

Synesgy und ZEROvia parallel nutzen

Beide Lösungen schliessen sich nicht aus. In vielen Schweizer KMU-Setups ist das pragmatische Vorgehen:

  1. ZEROvia als ESG-Datenbasis aufbauen. ESG Quick Check, VSME-Basic-Datenerhebung, Evidence-Verknüpfung — typischerweise in 3 bis 5 Arbeitstagen verteilt über 2 bis 4 Wochen.
  2. Synesgy-Fragebogen separat ausfüllen, wenn die Hausbank das Format verlangt. Eine direkte automatische Befüllung aus ZEROvia in die geschlossene Synesgy-Plattform ist heute nicht möglich — ZEROvia liefert aber die strukturierten und belegbaren Datenpunkte, aus denen sich die Synesgy-Antworten manuell konsistent und schneller ableiten lassen.
  3. Bank-Data-Pack aus ZEROvia für weitere Banken oder die Versicherung erzeugen — strukturierte Datenpunkte plus Belege, ohne den Synesgy-Umweg.
  4. Lieferanten-Anfragen über ZEROvia abwickeln — entweder eigenes Lieferanten-Onboarding oder Beantwortung von CSDDD-Anfragen grosser Kunden mit kontrolliert teilbarem ESG-Profil.
  5. Jährliches Update in ZEROvia, aus dem die Synesgy-Antworten und alle anderen Anfragen jeweils aktualisiert werden — nicht umgekehrt.

Der entscheidende Punkt: Die Wahrheit der ESG-Daten liegt beim KMU, nicht bei einer externen Plattform. Synesgy bleibt damit ein Anfragekanal — nicht die Datenquelle.

Questions fréquentes

blank

VSME- und VS-konforme Datenbasis aufbauen

Starten Sie mit dem ESG Quick Check — 30 Minuten, kostenlos, strukturiert über alle VSME-Themen.

Stand: Juni 2026. Synesgy-Funktionsumfang nach öffentlich verfügbaren Angaben von synesgy.ch, crif.ch und der Synesgy-Plattformdokumentation. VS-Standard-Eckdaten nach KPMG Schweiz und dem Entwurf der EU-Kommission vom Mai 2026. Letzte inhaltliche Überarbeitung durch das ZEROvia-Methodikteam am 26. Juni 2026.